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CO₂ im Alltag erleben – Welche realen Erfahrungen in das Brettspiel KlimaMission eingeflossen sind

  • lukaskairies
  • 11. Jan.
  • 4 Min. Lesezeit
Eine Landschaft mit Bäumen und Fluss

CO₂ ist ein abstrakter Stoff – unsichtbar, geruchlos, meist weit weg von unserem Alltagsempfinden. Und doch entsteht er ständig dort, wo wir ganz normale Entscheidungen treffen: beim Weg zur Arbeit, beim Einkauf, beim Heizen oder wenn wir spontan etwas Neues bestellen. Genau an dieser Schnittstelle setzt das Brettspiel „KlimaMission – Jeder Fußabdruck zählt!“ an: Es übersetzt Alltagsdilemmata in spielbare Situationen und macht spürbar, dass Klimaschutz nicht nur aus „großen“ politischen Entscheidungen besteht, sondern aus vielen kleinen, wiederkehrenden Momenten. Beim Brettspiel KlimaMission geht es darum, gemeinsam die globalen Emissionen zu senken – visualisiert über eine CO₂-Skala – und gleichzeitig individuelles, umweltbewusstes Handeln zu fördern.

Vom diffusen Klima-Gefühl zur konkreten Alltagsszene


Die Grundidee hinter KlimaMission wirkt deshalb so zugänglich, weil sie sich an Erfahrungen orientiert, die viele kennen: „Was esse ich heute?“, „Wie komme ich hin?“ und „Kaufe ich neu oder repariere ich?“. KlimaMission verfolgt den Ansatz, dass alltagsnahe Entscheidungen (z.B. Mobilität, Ernährung, Konsum) mit realen CO₂-Werten kombiniert werden, sodass Spieler*innen Konsequenzen unmittelbar erleben – statt sie nur theoretisch zu hören.

Dieses „Erleben“ ist keine Spielerei, sondern eine didaktische Stärke: Klimawissen bleibt oft stecken, wenn es nur aus Zahlen und Verboten besteht. Wenn man dagegen in einer Alltagssituation abwägt (z.B. „Billig vs. langlebig“, „Auto vs. Bahn“, „Fleisch vs. pflanzlich“) und das Ergebnis am eigenen Punktestand sieht, entsteht ein Gefühl für Größenordnungen.


Mobilität: Der tägliche Klassiker „Wie komme ich da hin?“

Kaum ein Bereich ist so routiniert wie Mobilität – und genau deshalb so wirkungsvoll. Viele reale Aha-Momente drehen sich um die Frage, wie stark sich Verkehrsmittel unterscheiden. Das Umweltbundesamt (UBA) stellt dazu regelmäßig Vergleiche der durchschnittlichen Emissionen im Personenverkehr bereit (z. B. Pkw, Bahn, Bus, Flugzeug).

Im Alltag heißt das: Der „kleine“ Entschluss, öfter Bus oder Bahn zu nehmen, ist kein moralischer Siegpunkt – sondern eine messbare Emissionsänderung. In einem Spiel wie KlimaMission lassen sich solche Entscheidungen als wiederkehrende Situationen abbilden: nicht als einmalige Heldentat, sondern als Routine, die sich aufsummiert. Das Brettspiel setzt stark auf Teamgeist und gemeinsames Handeln – deshalb eignet sich Mobilität besonders als kollektives Thema: Ob Fahrgemeinschaften, der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs oder sichere Radwege – all das sind Entscheidungen, die selten allein getroffen werden, aber gemeinsam viel bewirken können.


Ernährung: CO₂ steckt im Einkaufswagen – und oft überraschend

Viele Menschen machen ihre ersten „CO₂-im-Alltag“ - Erfahrungen im Supermarkt. Man will „nur schnell was holen“ und merkt plötzlich, wie viel Klima in Käse, Butter, Fleisch oder Ersatzprodukten steckt. Das Umweltbundesamt stellt den UBA.CO2-Rechner zur Verfügung, der beispielhafte Durchschnittswerte und Vergleiche (u. a. für Käse, Schweinefleisch, Milch vs. pflanzliche Alternativen) berechnet.

Solche Fakten fühlen sich im Alltag oft „zu groß“ an, bis man sie in handhabbare Entscheidungen übersetzt: Heute Haferdrink statt Kuhmilch, morgen ein vegetarisches Gericht, am Wochenende bewusster einkaufen, damit weniger weggeworfen wird. Genau diese Übersetzung ist spielmechanisch dankbar: Eine Karte, ein Ereignis, eine Wahl – und direkt sichtbar, wie sich das im CO₂-Konto auswirkt. Der Entstehungsbericht von KlimaMission spricht ausdrücklich davon, dass Spieler*innen Optionen gegeneinander abwägen und die Folgen ihrer Entscheidungen erleben.


Wohnen & Heizen: Wenn der größte Hebel unsichtbar bleibt

Im täglichen Leben entsteht ein großer Teil der CO₂-Emissionen an einer Stelle, die oft kaum wahrgenommen wird: beim Heizen. Nach Angaben des Umweltbundesamtes ist die Raumwärme der größte Emissionsfaktor im privaten Haushalt, zugleich liegt hier ein besonders großes Einsparpotenzial durch Modernisierung und Effizienzmaßnahmen. Deutlich wird das am Beispiel der Wärmepumpe, die als energieeffiziente Form der Wärmebereitstellung gilt und – vor allem bei einem zunehmend erneuerbaren Strommix – deutlich weniger CO₂ verursacht als Öl- oder Gasheizungen.

Das sind genau die Arten von „realen Erfahrungen“, die in vielen Haushalten auftauchen: hohe Heizkosten, Diskussionen über Dämmung, Thermostat-Routinen, die Frage „Fenster auf Kipp oder Stoßlüften?“. Ein Spiel kann daraus Ereignisse machen, die nicht belehren, sondern ein bekanntes Lebensgefühl treffen: Es kostet Geld, Nerven und Planung – aber es lohnt sich. Und weil KlimaMission Nachhaltigkeit als gemeinsames Lernen und kreatives Handeln beschreibt, passt Wohnen als Feld für Teamlösungen besonders gut.


Konsum & Kleidung: Die echte Welt ist voller „Nur kurz bestellen“

Im Bereich Kleidung und Konsum geht es weniger um einzelne Kaufentscheidungen als um wiederkehrende Gewohnheiten: schnell, bequem, günstig – und oft mehrfach. Spiele können diese Muster greifbar machen, indem sie nicht nur zwischen „kaufen oder verzichten“ unterscheiden, sondern nachhaltige Alternativen stärken, etwa Reparieren, Leihen, Secondhand oder den Fokus auf Qualität statt Menge. Dass KlimaMission gezielt auf bewussten Konsum und verantwortungsvolles Handeln setzt, ist ein zentraler Bestandteil des Selbstverständnisses des Projekts.

Besonders interessant ist dabei die psychologische Dimension: Nachhaltige Entscheidungen sind im Alltag nur selten eine reine Frage des Wissens. Vielmehr werden sie von Faktoren wie Zeitdruck, finanziellen Möglichkeiten, Verfügbarkeit oder sozialen Erwartungen („Das machen doch alle“) beeinflusst – genau jenen nachfrageseitigen Aspekten, die der Sechste Weltklimabericht des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) der Vereinten Nationen als zentrale Hebel für Klimaschutz benennt, etwa Lebensstile, Infrastruktur und die Akzeptanz neuer Technologien. Ein Brettspiel kann diese Spannungsfelder erfahrbar machen, ohne belehrend zu wirken: Man erlebt spielerisch Stress, Versuchungen und Bequemlichkeit und erkennt dabei, dass wirksame Lösungen meist aus guten Rahmenbedingungen entstehen – nicht aus individueller Perfektion.


Warum „reale CO₂-Werte“ den Unterschied machen

Bei KlimaMission werden alltägliche Entscheidungen mit konkreten, realitätsnahen CO₂-Werten verknüpft. Das ist weit mehr als ein gestalterisches Detail: Sobald Zahlen nachvollziehbar erscheinen, beginnen Spieler*innen, sie mit dem eigenen Alltag abzugleichen („Ist das tatsächlich so viel?“). Genau hier entsteht ein Effekt, den Klimabildung nur selten erreicht: Man rechnet innerlich mit – beim täglichen Pendeln, beim Einkaufen oder beim Heizen.

Vielleicht liegt darin die wichtigste Alltagserfahrung, die ins Spiel eingeflossen ist: Klimaschutz ist kein einmaliger Vorsatz, sondern das Zusammenspiel vieler kleiner Entscheidungen – eingebettet in Strukturen, die nachhaltiges Handeln erleichtern oder erschweren. Ein Spiel, das Teamarbeit, Alltagsnähe und spürbare Konsequenzen verbindet, wird so zu einem überraschend realistischen Übungsraum – nicht für eine ideale Welt, sondern für unsere tatsächliche.

 
 
 

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